Ein Gespräch mit Alexander Steinhart, Geschäftsführer bei Supply Chain Partners, über nachhaltige Kostensenkungspotenziale in Einkauf und Supply Chain

Herr Steinhart, Sie sprechen von „ökonomischer Ökologisierung“. Was verstehen Sie darunter?
Darunter verstehe ich Maßnahmen im Einkauf und in der Supply Chain, die ökologische Aspekte berücksichtigen, aber gleichzeitig auch wirtschaftliche Vorteile bringen. Also: Nachhaltigkeit, die sich rechnet. Das können Prozessoptimierungen, Materialeinsparungen oder auch intelligente Lieferantenstrategien sein.
Können Sie ein konkretes Beispiel nennen, wie sich dieser Ansatz in der Praxis umsetzen lässt?
Ein Klassiker ist die Reduktion von Verpackungsmaterial. Durch die Reduktion von Materialstärken und effizienten Verpackungslösungen konnten bei einem Kunden die Kosten und CO2-Emissionen um 15 % gesenkt und gleichzeitig die Lagerhaltungskosten durch eine bessere Raumausnutzung reduziert werden. Ein weiteres Beispiel ist die Bündelung von Lieferungen und die Optimierung der Transportwege. Hier können ebenfalls CO2-Emissionen und Transportkosten im zweistelligen Prozentbereich eingespart werden.
„Ökonomische Ökologisierung ist eine echte Business-Chance.”
Wo sehen Sie darüber hinaus Potenziale – auch in komplexeren Bereichen?
Absolut. Im Energieverbrauch eines Unternehmens findet man noch immer Stellen, die aufgrund der Komplexität nicht optimal ausgenutzt sind. Auch das Thema Investitionen wird hinsichtlich seiner grünen und monetären Potenziale noch nicht ausgeschöpft. Hier spielt das Thema Kreislaufwirtschaft eine entscheide Rolle. Als letztes Beispiel sollte auch ein zu hoher Bestand erwähnt werden. Es ist teilweise erschreckend, wie viele nicht-kritische Teile auf Lager liegen und irgendwann für viel Geld verschrottet werden müssen. Eigentlich ein ökologisches und wirtschaftliches Fiasko.
Welche ersten Schritte empfehlen Sie Unternehmen, die mit ökologischen Maßnahmen starten wollen?
Wichtig ist, mit einer systematischen Analyse der Ausgaben und des CO2-Abdrucks zu beginnen. Wo entstehen Emissionen? In welchen Warengruppen überlappen sich ökologische und ökonomische Vorteile? Wo wird Energie oder Material verschwendet? Welche Maßnahmen machen in welcher Reihenfolge Sinn?
Stoßen Sie bei solchen Initiativen auf Widerstände?
Teilweise schon. Wie bei allen Kostensenkungsprogrammen. Aber der ökologische Aspekt – etwas Gutes für die Welt – zu tun, senkt die Widerstände durchaus. Manche denken immer noch, „grün“ sei gleichbedeutend mit „teurer“. Aber in der Praxis sehen wir oft das Gegenteil. Die besten Argumente sind konkrete Zahlen: Wenn sich eine Maßnahme in 12 Monaten amortisiert und gleichzeitig Emissionen halbiert – wer kann da noch Nein sagen?
Ihr Fazit?
Nachhaltigkeit muss kein Kostentreiber sein – und ist es auch nicht zwangsläufig. Wer klug plant, kann mit ökologischen Maßnahmen die Effizienz steigern, Risiken senken und Kosten sparen. Die ökonomische Ökologisierung ist kein Idealismus, sondern eine echte Business-Chance.